Allsky Kamera die zweite

Beim Bau der Sternwarte habe ich bereits die Installation einer Allsky Kamera vorgesehen. Meine ersten Tests mit einer farbigen USB Kamera (The Imaging Source DFK 51AU02.AS) brachten vor allem nachts nicht die gewünschten Bilder. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach einer Alternative. Sie sollte am besten monochrom sein und mit möglichst wenig Aufwand zu betreiben.

 

Fündig wurde ich in der DMK 23G618, ebenfalls vom Imaging Source. Der große Vorteil dieser Kamera: Sie ist eine GigE Kamera, die mit PoE betrieben werden kann. Mit dem richtigen Netzwerkswitch reicht ein Gigabit Ethernetkabel zur Kamera aus, um sie sowohl mit Strom zu versorgen, als auch die Bilder auf den PC zu bekommen. Allerdings hat sie einen recht kleinen Sensor, wodurch der Blickwinkel selbst mit einem 2,1mm CS-Mount Objektiv sehr klein wird - von "All Sky" ist da leider nur schwer zu sprechen.

Allerdings soll die Kamera zunächst einmal nur im Testbetrieb laufen, wenn alles gut funktioniert, kann ich später immernoch ein 1,55 mm oder gar 1,35mm Objektiv vor die Kamera setzen.

Normalerweise kosten fertige Allsky Kameras hunderte von Euro, ich habe versucht, möglichst günstig eine solche Kamera selbst zu bauen. Allerdings wollte ich dafür keine Abstriche bei der Kamera machen, deshalb war eine gute Kamera, in dem Fall die von TIS gesetzt. Das Objektiv habe ich von einer anderen USB Webcam verwenden können. Den Power-over-Ethernet Switch musste ich zwar neu kaufen, ein solcher war aber ohnehin für den Bau der Sternwarte mit eingeplant. Das interessant war dann vor allem das wetterfeste Gehäuse für die Kamera, ein solches technisches Wunderwerk sollte ja nicht direkt Wind und Wetter ausgesetzt sein. Gleichzeitig sollte aber auch das Gehäuse nicht in Kürze durch UV-Strahlung zerstört sein.

Meine Wahl fiel also auf UV-beständige Abwasserrohre aus dem Baumarkt. Als Material habe ich mir daher besorgt:

  • 1 Rohrmuffe Durchmesser 110mm und 150mm lang
  • 2 dazu passende Deckel
  • 1 Fallrohrschelle 110mm, mit der man sonst das Fallrohr einer Dachrinne an der Hauswand befestigt
  • 1 Kabeldurchführung für elektrische Kabel
  • 1 Acryldom, als gläserne Kuppel für das Gehäuse

In die beiden Deckel habe ich jeweils ein Loch gebohrt: In den oberen Deckel ein größeres, so dass das Objektiv der Kamera genau durchpasst, in den unteren Deckel ein so kleines, dass die Kabeldurchführung eingesetzt und später verschraubt werden kann.

Zuletzt habe ich den Acryldom auf den oberen Deckel geklebt (UV-beständiger, wasserfester und wasserdichter Kleber).

Damit war das Gehäuse schon fertig und ich konnte die Kamera ins Gehäuse einsetzen. Damit sie dort nicht aus ihrem Loch wieder rausfällt, habe ich eine ganz einfache Klemmvorrichtung gebaut: Mit Hilfe einer M6 Schraube, die in das Stativgewinde der Kamera eingeschraubt werden kann, und dem Radiergummi eines alten Bleistiftes. Ich habe zunächst die Schraube ganz in das Stativgewinde der Kamera reingeschraubt, dann den Radiergummi passend zum Inbus der Schraube geschnitten und in den Schraubenkopf geklemmt. Dann die Kamera eingesetzt und die Schraube wieder so weit aus dem Stativgewinde herausgeschraubt, dass der Radiergummi an der inneren Gehäusewand anstößt. Damit wird die Kamera im Gehäuse festgeklemmt und kann nicht aus ihrem Loch fallen.

Der Zusammenbau geht dann ganz schnell:

  1. Den Deckel mit der Kamera in die Rohrmuffe schieben
  2. LAN Kabel durch die Kabeldurchführung des anderen Deckels ziehen und einen LAN-Stecker anschließen (es gibt Gigabit-fähige Stecker, die sogar ohne spezielles Auflegewerkzeug angeschlossen werden können).
  3. Mit einem kurzen Patchkabel die Kamera mit dem LAN-Stecker verbinden
  4. Unteren Deckel langsam in die Rohrmuffe schieben (langsam, weil die Deckel wasser- und luftdicht abschließen und die Luft erst durch die Kabeldurchführung entweichen muss
  5. Das geschlossene Gehäuse mit der Fallrohrschelle am gewünschten Ort montieren.

Das sieht dann bei mir so aus - kleine Kuppel vor der großen Kuppel:

Natürlich wird ein Teil des Himmels durch die nahe Position der Kamera zur Sternwartenkuppel etwas abgedeckt, doch jetzt muss sich erst einmal die Software am PC im Probebetrieb beweisen, bevor ggf. das Objektiv getauscht und die Kamera weiter weg gesetzt wird.